Es gibt Messer, die man kauft. Und es gibt Messer, die aus einer Vorstellung heraus entstehen, weil ihr Entwerfer sie in der Wildnis tatsächlich gebraucht hat. Das PUMA GEK – German Expedition Knife gehört in die zweite Kategorie. Vor mehr als dreißig Jahren hat Anton „Tony" Lennartz seine Erfahrungen aus den kanadischen Rocky Mountains, aus Schweden und aus zahllosen Survival-Seminaren in ein einziges Werkzeug übersetzt. Seit 1992 fertigen wir dieses Messer in unserem Werk in Solingen.
Jörg Hübner hat dem GEK in den PUMA Stories einen seiner schönsten Artikel gewidmet – „Ein Mann und sein Messer". Wir geben seine Geschichte hier in eigenen Worten wieder, mit Originalzitaten von Tony Lennartz und einer Einordnung, warum dieser Klassiker bis heute aus unserer Werkstatt kommt.
Vom Survival-Profi zum Messer-Designer
Nicht wenige Messerfans fertigen Skizzen an, in denen sie sich ihr ideales Messer ausdenken. Aber nur selten kommt es vor, dass ein solcher Entwurf tatsächlich in Serie geht. Beim Deutschen Expeditionsmesser ist genau das passiert – und das aus gutem Grund. Anton J. Lennartz ist kein gewöhnlicher Messerfreund. Er hat sich bereits 1968 dem Leben in der Natur verschrieben, beschäftigte sich mit den Jäger- und Sammlerkulturen der nordischen Hemisphäre und gab schon in den 1970er Jahren Survivalkurse in Schweden, der Eifel und den belgischen Ardennen.
Mehrere Monate lebte er in den kanadischen Rocky Mountains – ein Ort, an den er bis heute immer wieder zurückkehrt, um mit den Cree-Indianern durch das Land zu ziehen und ihre Kultur kennenzulernen. In Belgien, wo er heute lebt, gründete er die Society of Northamerican Native Culture, einen Verein zur Bewahrung der traditionellen Kultur und Lebensweise der nordamerikanischen Indianer. Diese spirituelle Denkweise hat Tonys Verhältnis zur Natur tief geprägt – und damit auch jeden seiner Messerentwürfe.
Eine einfache Philosophie
Tony Lennartz hat seine Erfahrungen Ende der 1980er Jahre in einen Entwurf übersetzt. Seine Designphilosophie ist dabei so klar, dass sie sich in einem Satz fassen lässt:
Diese Idee zieht sich durch jedes Detail des GEK. Es ist kein Spezialist – es ist ein Generalist mit klarer Aufgabe: in der Wildnis funktionieren, wenn man auf nur ein Werkzeug zurückgreifen kann. Hacken, schneiden, schnitzen, stechen, versorgen, Feuerholz machen, Notunterkünfte bauen – all das soll mit einem einzigen Messer möglich sein.
Die Konstruktion – jedes Detail hat einen Grund
Tony hat sein Expeditionsmesser kompromisslos auf den Einsatz in der Natur zugeschnitten. Die Klinge ist 17,5 cm lang – nach seinen Erfahrungen die ideale Größe für einen Allrounder in der Wildnis. Die Form erinnert an ein klassisches Bowie-Messer, aber mit einer entscheidenden Besonderheit: Die Spitze liegt exakt mittig in der Verlängerung der Griffachse. Beim Stoßen wird die Kraft so nicht seitlich abgelenkt.
Der Anschliff im vorderen Bereich des Klingenrückens erleichtert das Eindringen in harte Materialien. Der Flachschliff macht das Messer stabiler als ein Hohlschliff, weil mehr Material die Schneide abstützt. Auf eine Fehlschärfe – also den stumpfen Bereich zwischen Schneide und Griff – hat Tony bewusst verzichtet.
Der Klingenrücken ist 5 mm stark und bewusst breit und flach ausgeführt – nicht dünn geschliffen, nicht gesägt. Der Grund: Mit dieser Fläche lässt sich hervorragend mit einem Schlagholz arbeiten („Batoning"), wenn ein Holz gespalten werden muss. Eine Sägezahnung würde an dieser Stelle nur stören.
Der Griff – inspiriert von der Machete
Der Griff des GEK erinnert in seiner Form an eine südamerikanische Machete – und das ist kein Zufall. Der nach unten gezogene Knauf verhindert, dass das Messer beim Hauen aus der Hand rutscht. Der Handschutz vorne sorgt dafür, dass die Hand nicht in die Schneide abgleitet.
Eine Besonderheit, die das GEK von vielen anderen Messern unterscheidet: Der Griff ist als hohler Bügel gestaltet. Es gibt keine Griffschalen, die sich verziehen oder lösen könnten. Klinge und Griff sind aus einem Stück Stahl geschmiedet – maximale Stabilität durch minimale Komplexität. Die Reinigung ist dadurch denkbar einfach.
Aber die Öffnungen im Griff sind mehr als nur ein Reinigungsvorteil. Durch sie lassen sich Seile und Schnüre führen – entweder als Fanglosen oder, im Notfall, um das Messer an einen Stock zu binden und als improvisierten Speer einzusetzen. In der Wildnis kann genau dieses Detail einen Unterschied machen.
Der Stahl – nachschärfbar statt extrem hart
Bei der Stahlwahl folgt Tony einer pragmatischen Logik, die wir in unserer Werkstatt teilen:
Für das GEK aus unserer Solinger Fertigung verwenden wir den rostfreien Stahl 1.4116 (X45CrMoV15). Er bietet genau die Balance, die Tony fordert: korrosionsbeständig genug für lange Touren in feuchter Umgebung, hart genug für eine lange Schnitthaltigkeit, aber nicht so hart, dass die Klinge bei extremer Belastung brechen würde. In der Wildnis ist eine verbogene Klinge ein Problem – eine gebrochene kann zur Katastrophe werden.
Vom Konkurs zum Klassiker – wie das GEK zu PUMA kam
Die Geschichte, wie das Expeditionsmesser zu uns nach Solingen kam, ist fast filmreif. Tony hatte sein Messer ursprünglich bei der Solinger Firma Carl Schlieper fertigen lassen – für zwei Jahre lief die Produktion dort. Doch Anfang der 1990er Jahre musste Schlieper Konkurs anmelden.
Tony reagierte schnell: Er kaufte vom Konkursverwalter die speziell für das Expeditionsmesser angefertigten Schmiedewerkzeuge auf. Mit diesen Werkzeugen unter dem Arm klingelte er bei uns im PUMA-Werk – und wir ließen ihn gerne ein. Seit 1992 fertigen wir das Deutsche Expeditionsmesser in Solingen. Der Entwurf hat sich in alle Welt verkauft und sich in der Praxis bestens bewährt – auf Expeditionen, bei Bushcraftern, in der Jagd und natürlich bei Tonys eigenen Survival-Kursen.
Das Europamesser – der kleine Bruder
Zwischenzeitlich ist auch eine kleinere Version unter der Bezeichnung Europamesser aus unserer Fertigung entstanden. Es besitzt das gleiche Konstruktionsprinzip wie das GEK, ist aber mit einer Klingenlänge von 9,5 cm wesentlich kompakter. Stark ausgeprägte Fingermulden sorgen zudem für einen sehr guten Grip – ideal für feinere Arbeiten oder als urbaner Begleiter.
Das Europamesser ist heute vor allem über Sammler noch erhältlich, weil wir es nicht mehr in regulärer Serie produzieren. Die ursprüngliche Idee – ein kompakter Begleiter mit der gleichen Designphilosophie – lebt aber bis heute in anderen Modellen aus Tonys Feder weiter, allen voran im neuen PUMA PARA, EDC Steel.
Für wen ist das GEK gemacht?
Das Deutsche Expeditionsmesser ist kein Schmuckstück für die Vitrine – obwohl es als Klassiker längst auch in vielen Sammlungen zu finden ist. Es ist ein Werkzeug für all jene, die wirklich in die Natur hinausgehen: Bushcrafter, Jäger, Survival-Trainer, Wildnistrekker, Outdoor-Lehrer. Wer wissen will, was das Messer kann, sollte sich vorstellen, was Tony selbst damit macht – seit über drei Jahrzehnten, vom belgischen Wald bis zu den kanadischen Rocky Mountains.
Das große Expeditionsmesser und das kleine Europamesser haben sich über die Jahre ergänzt:
Solinger Handarbeit – das GEK heute
Wir fertigen das PUMA GEK in unserem Werk in Solingen – mit den gleichen Schmiedewerkzeugen, die Tony damals vom Konkursverwalter gerettet hat. Die aktuelle Version ist eine behutsam modifizierte Variante des Originals: gleiche Geometrie, gleiche Philosophie, gleiche Stahlsorte, mit kleinen Verbesserungen in Verarbeitung und Scheide.
Technische Daten im Überblick
- Klingenlänge: ca. 175 mm
- Klingenstärke: 5 mm
- Stahl: 1.4116 (X45CrMoV15), rostfrei
- Konstruktion: Klinge und Griff aus einem Stück geschmiedet, hohler Bügelgriff
- Schliff: Flachschliff, ohne Fehlschärfe
- Design: Anton „Tony" Lennartz
- Hergestellt: Solingen, Deutschland (seit 1992)
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Weitere Messer von Tony Lennartz
Das GEK war der Beginn einer langen Zusammenarbeit zwischen Tony Lennartz und unserem Werk in Solingen. Wer sich von seiner Designphilosophie überzeugen lassen will, findet in unserem Sortiment heute mehrere Modelle aus seiner Feder – jedes mit einem eigenen Einsatzschwerpunkt:
PUMA Robuster, Micarta – Tonys neuester Entwurf, gedacht als Werkzeug für genau die Situationen, in denen das GEK an seine physikalischen Grenzen stößt. Robuster, schwerer, mit Köcherscheide und Micarta-Griff.
PUMA Robuster, Nussbaumholz – Die gleiche Konstruktion wie der Micarta-Robuster, aber mit warm gemasertem Nussbaum als klassische Holzvariante.
PUMA PARA, EDC Steel – Das kompakte EDC-Messer aus Böhler N690, fortlaufend nummeriert. Tonys Designprinzipien für den Alltag oder als Backup am Gürtel.
Mit Dank an Jörg Hübner für den ausführlichen Bericht in den PUMA Stories und an Tony Lennartz für die unermüdliche Designarbeit, die das deutsche Outdoor-Messer-Handwerk seit mehr als drei Jahrzehnten prägt.

